Der Social Media-Gigant Facebook bleibt unentwegt auf dem Vormarsch. Mittlerweile zeigt das soziale Netzwerk auch der Suchmaschine Google die Rücklichter: Deutlich mehr Internet-Nutzer fanden im Juni 2015 über Facebook den Weg auf Medienseiten, als über dessen Konkurrenten.

Suchmaschinen pfui, Social Media hui. So in etwa könnten die aktuellen Zahlen von Parse.ly, dem renommierten Anbieter von Analyse-Tools, zusammengefasst werden. Laut seiner letzten Erhebung hat Facebook im Juni dieses Jahres zum zweiten Mal deutlich mehr Nutzer auf Medienseiten weitergeleitet als Google. Demnach liegt der Traffic, der vom sozialen Netzwerk kommt, inzwischen bei rund 43 Prozent. Der Suchmaschinen-Gigant hingegen zeichnet sich lediglich für nur 38 Prozent der Besuche verantwortlich. Diese Entwicklung dürfte sich nach meiner Einschätzung in Zukunft noch weiter verstärken, denn seit Anfang 2012 hat Facebook seinen Anteil am gesamten Traffic redaktioneller Websites von knapp 10 % auf das Vierfache erhöht.

Erhebung weist hohe Repräsentativität auf

Die Erhebung bezieht sich auf Kunden von Parse.ly, einem Netzwerk an Mediaseiten, die wiederum aus rund 400 Publishern wie Conde Nast, Wired, Reuters und Mashable bestehen. Die Erhebung dürfte aufgrund der riesigen Reichweite der Medienseiten durchaus repräsentativ sein, denn zusammen erreichen die Netzwerke rund sechs Milliarden Seitenaufrufe und mehr als eine Milliarde Unique Visitors im Monat. Die Resultate bestätigen auch unsere eigenen Messungen rund um die Medienseiten in Augsburg, bei denen Suchmaschinen-Websites als Traffic-Lieferant gegenüber sozialen Netzwerken zunehmend ins Hintertreffen geraten.

Facebook wird zum Nachrichtenportal

Die mehr als 28 Millionen Deutschen auf Facebook nutzen die Plattform mittlerweile nicht mehr nur als Kommunikations- sondern auch sehr stark als Informationskanal. Schon jetzt sind die 210.000 Augsburger auf Facebook im Schnitt 2 Stunden pro Tag eingeloggt und folgen ca. 5 verschiedenen Medienportalen wie der Augsburger Allgemeine, Presse Augsburg, Süddeutsche Zeitung, der ZEIT oder der BILD. Den Trend weiter beflügeln dürfte der Umstand, dass Facebook aktiv um Medien-Unternehmen wirbt, um sich selbst stärker als Nachrichtenportal zu positionieren. Eine Folge davon ist der Launch von Instant Articles, die direkt über das soziale Netzwerk hochgeladen werden können. Das Werbemodell sieht großzügige Werbeumsätze für die Publisher vor, angeblich dürfen die Unternehmen sogar die gesamten erzielten Werbeeinnahmen als Belohnung behalten.

Ausblick: Traffic über Facebook steigt generell stark an

Nicht nur bei Medienseiten ist der starke Anstieg der Weiterleitungen zu verzeichnen, sondern auch bei Online-Shops und dem Einzelhandel. Durch die gezielten emotionalen Werbeformate und die gute Sichtbarkeit auf mobilen Endgeräten bietet Facebook hier immer größere Potenziale. So kann z.B. auch der Friseur, die Buchhandlung oder die Metzgerei die User mit ganz lokal ausgespielten Anzeigen im Umkreis von wenigen Kilometern ansprechen und in das Geschäft locken.

Die Kurve bei Facebook geht also weiter steil nach oben und mit seinen starken Partnern wie WhatsApp, Instagram oder dem Messenger ist die Social Media Plattform Nummer 1 auf lange Sicht sehr gut aufgestellt.