Bereits im September stellte Snapchat seine neueste Entwicklung vor: Die Spectacles, eine Brille mit integrierter Kamera, die es den Nutzern erlaubt, Videos aus ihrer Perspektive aufzunehmen und mit anderen zu teilen. Anfang November hat Snapchat mit dem Verkauf der Brille begonnen. Entgegen der meisten Erwartungen ist der Erfolg der Spectacles riesig.

Google versuchte sich bereits letztes Jahr an einem ähnlichen Produkt: der Google Glass. Trotz überzeugender Idee wurde die Datenbrille jedoch zum Flop und verkaufte sich kaum, der Vertrieb wurde vorläufig eingestellt. Die Erfolgsaussichten für die Snapchat-Brille hielten Kritiker demzufolge für entsprechend gering. Doch Snapchat belehrte uns eines Besseren. Wir haben uns die Spectacles genauer angeschaut.

Was können die Spectacles?

Die Spectacles sind eine Brille, mit welcher die Nutzer 10-sekündige Videos aufnehmen und über die App Snapchat mit anderen teilen können. Viel mehr als Aufnahmen aus der Perspektive ihres Trägers können die Spectacles tatsächlich nicht – keine Augmented Reality, keine sonstigen technischen Neuheiten. Statt als High End-Gerät für Technik-Freaks ist die Brille eher als Spielzeug und Lifestyle-Gerät gedacht, so Snapchat-Gründer Evan Spiegel.

Optisch kommt die Brille einer handelsüblichen Sonnenbrille sehr nahe: zwar bunt und schrill, aber dennoch nicht nerdig und uncool. Die Spectacles sind in verschiedenen Farben erhältlich und treffen mit ihrem Design genau den Nerv der jungen Zielgruppe. Wenn sich die Brille im „Aufnahme-Modus“ befindet, leuchtet ein kleines Licht auf und zeigt somit auch anderen, dass gerade gefilmt wird.

Der Preis für die Brillen liegt derzeit bei 129 US-Dollar. Das ist zwar kein Schnäppchen, aber ein Preis, der auch für junge Nutzer realistisch ist. Zum Vergleich: Die Google-Brille kostete bei ihrer Markt-Einführung schlappe 1500 US-Dollar.

Das Erfolgsgeheimnis? Gutes Marketing!

Auch, wenn die Snapchat-Brille als trendiges Lifestyle-Produkt genau den Nerv der Zeit trifft: Der Erfolg liegt nicht allein am Produkt. Auch das Marketing ist hier maßgeblich mitverantwortlich.

Die Spectacles sind nämlich nicht etwa in einem Online-Shop oder einem Geschäft erhältlich. Stattdessen werden sie von Automaten, sogenannten Snapbots, verkauft. Diese werden an verschiedenen Orten in den USA aufgestellt, wo sie aber jeweils nur wenige Stunden bleiben. Die nächsten „Aufenthaltsorte“ der Snapbots erfahren User nur über eine Website, die extra dafür eingerichtet wurde. Mit dieser Exklusivität konnte Snapchat einen regelrechten Hype um die Brillen kreieren. Vor den Automaten stehen die Interessenten Schlange, auf eBay wurden bereits Brillen für etwa 1000 US-Dollar verkauft.

Bisher sind die Snapchat-Brillen ausschließlich in den USA erhältlich. Wann die Spectacles – sei es über Snapbots oder in einem Online-Shop – auch nach Deutschland kommen, ist bislang noch unklar.