Es ist offiziell: Snapchat wagt den Börsengang. Der mit Spannung erwartete Schritt macht jedoch vor allem negative Schlagzeilen, denn erstmals veröffentlichte Geschäftszahlen zeigen Verluste.

Platzierung niedriger als erwartet

Snap Inc. geht an die Börse. Das Unternehmen hinter der Video-App Snapchat kündigte am Donnerstag offiziell seinen Börsengang an. Bei der Aktienplatzierung will Snap Inc. 2,8 Milliarden US-Dollar einnehmen – wobei es sich allerdings auch um einen Platzhalter-Betrag handeln könnte, der später noch verändert wird. Dennoch liegt der angegebene Börsenwert weit unter den 25 Milliarden US-Dollar, die Snapchat laut früheren Medienberichten anpeilte.

Veröffentlichte Geschäftszahlen offenbaren Verluste

Im Rahmen der Börsenunterlagen veröffentlichte Snapchat auch erstmals aktuelle Geschäftszahlen. Diese zeigen, dass Snapchat im vergangenen Jahr Nettoverluste von über einer halben Milliarde US-Dollar zu verbuchen hatte.

Der Grund: Laut Medienberichten bezieht Snapchat Cloud-Dienstleistungen von Google und hat mit dem Unternehmen gerade einen Fünfjahresvertrag abgeschlossen, in den insgesamt zwei Milliarden US-Dollar fließen sollen. Damit sind die Ausgaben allerdings höher als die Einnahmen.

Von 2015 auf 2016 konnte Snap Inc. seine Umsätze von knapp 60 auf satte 400 Millionen US-Dollar steigern. Diese Umsätze stammen aus Werbeeinnahmen, die 2016 erst richtig in Fahrt kamen. Laut Experten ist eine solche Steigerungsrate in Zukunft aber nicht zu halten. Hinzu kommt, dass das Unternehmen wegen eines Fehlbetrages 2015 im vorigen Jahr 514,6 Millionen US-Dollar verlor.

Aber nicht nur die Umsatzzahlen sind kritisch, auch bei den Nutzerzahlen sieht es wenig vielversprechend aus. Zwar konnte die App in den letzten Jahren zunächst ein rasantes Nutzerwachstum verbuchen, dieses begann aber Ende 2016 zu stocken. Im letzten Quartal 2016 kamen nur 5 Millionen Nutzer hinzu – im gesamten Jahr 2016 waren es jedoch rund 50 Millionen.

Angesichts dieser Zahlen halten Experten sogar die Bewertung von 2,8 Milliarden US-Dollar für zu hoch gegriffen, viele raten wegen des hohen Risikos sogar von Investitionen ab.

Snapchat-Gründer behalten Stimmrechte

Die Unterlagen zeigen außerdem: Snapchat-Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy bleiben die Bestimmer bei Snap Inc. Beide halten jeweils rund 22 Prozent der Anteile und somit 44,3 Prozent der Stimmrechte.

Es bleibt abzuwarten, wie sich Snapchat an der Börse schlägt. Auch Konkurrent Facebook hatte zunächst Schwierigkeiten, nachdem das Unternehmen 2012 an die Börse gegangen war. Wenig später konnte sich das soziale Netzwerk aber als Werbeplattform etablieren.