Social Media Mythen – was ist das?

Meine Arbeit in einer Social Media Agentur beinhaltet neben vielen anderen Dingen, dass ich mich mit Menschen über ihr Verhalten im Social Media unterhalte – und das beinahe täglich. Ob in der Arbeit oder privat, mit Kunden, Freunden oder Mannschaftskameraden: Facebook, Instagram, Snapchat und Co. werden oft zum Gesprächsthema.

In diesen Unterhaltungen stellt sich bei mir allerdings oft ein Gefühl des Unbehagens ein, denn oft höre ich zum Beispiel von Geschäftsfreunden Dinge wie „Es reicht ja, wenn meine Freunde das teilen. Dann sehen es schon genug andere!“ oder „Wenn ich am Wochenende poste, sieht es eh jeder.“ Warum mich solche Aussagen überraschen? Weil sie, schlicht und einfach nicht richtig sind.

Es handelt sich dabei um sogenannte Social Media Mythen: Halbwissen oder Missverständnisse, die wie „Fake News“ vor allem im Internet auf Blogs und in Foren immer wieder behauptet werden und die sich, weil sie eben von kaum jemandem hinterfragt werden, hartnäckig in den Köpfen halten.

Es wird Zeit, mit einigen dieser Mythen aufzuräumen – deshalb habe ich hier die fünf bekanntesten Social Media Mythen herausgesucht und werde versuchen, sie zu entzaubern.

1. „Social Media ist kostenlos – oder funktioniert zumindest auch ohne größere Investitionen.“

Ein Mythos, der mich immer noch mit am meisten überrascht, ist die Idee, dass Marketing im Social Web zwar die großen Erfolge bringt, aber keine oder kaum Investitionen erfordert. Leider wird Social Media Marketing im Vergleich zu Fernseh-, Print oder Radiowerbung oft noch immer als minderwertig angesehen.

Hier gilt es, zwei Dinge zu klären. Zum einen ist Social Media als Marketing-Kanal heute klassischer Werbung nicht mehr unterlegen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Werbung und Marketing in den sozialen Netzwerken heute mindestens die gleichen Erfolge erzielen können. Genau wie im Bereich der klassischen Werbung gilt auf Facebook und Co. allerdings: Wer Erfolge sehen will, muss auch investieren. Zwar bietet Social Media natürlich den Vorteil, dass die Kosten wesentlich geringer ausfallen als beispielsweise bei Fernsehwerbung. Gering heißt aber nicht gleich gratis: um die besten Ergebnisse zu erzielen, sind eine durchdachte Strategie, viel Zeit, ein Werbebudget und dafür in den meisten Fällen eben auch ein externer Dienstleister erforderlich.

2. „Es reicht ja, wenn ich meinen Freunden sage, sie sollen den Beitrag teilen. Das ist dann wie eine Kettenreaktion und der Post geht viral.“

Ein viraler Hit ist ja das große Ziel eines jeden Social Media-Users. Wie es dazu kommt, ist allerdings ein weiterer, weit verbreiteter Mythos: Viele denken offenbar, dass es reicht, wenn die gesamte Facebook-Freundesliste einen Post teilt.

Leider ist dem jedoch nicht so, es sei denn, Kim Kardashian oder Cristiano Ronaldo befinden sich in besagter Liste. „Normale“ Social Media-Nutzer haben eine viel zu geringe Reichweite, um es zu schaffen, einen Post viral zu machen – da müssen Sie schon ein sensationelles Posting haben und dieses gezielt bewerben oder sich an „Verstärker“ mit einer großen Fangemeinde wenden.

3. „Wenn schon, denn schon: Um Erfolg zu haben, sollte ich auf allen Kanälen präsent sein.“

Nicht kleckern, sondern klotzen? Falsch. Sie müssen nicht auf allen Plattformen aktiv sein, Sie müssen dort aktiv sein, wo sich auch Ihre potenziellen Follower aufhalten. Entscheiden Sie sich für einen Kanal oder, wenn Sie die Kapazitäten haben, einige wenige Kanäle und posten Sie dort hochwertige Inhalte. Alles andere würde nicht nur viel zu viel Zeit kosten, sondern auch nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen.

4. „Posten sollte ich vor allem am Wochenende. Da haben die Leute Zeit und sind auf Facebook aktiv.“

Auch das stimmt nicht wirklich. Zwar gibt es keine eindeutigen Zahlen, wann es am sinnvollsten ist, welche Inhalte wo zu posten. Dennoch ist es gerade auf Facebook ein Mythos, dass sich am Wochenende die meisten Menschen erreichen lassen. Zwar haben viele dann Zeit – diese nutzen sie allerdings oft lieber, um anderen Beschäftigungen nachzugehen. Die besten Posting-Zeiten auf Facebook sind erfahrungsgemäß nicht am Wochenende, sondern werktags von Montag bis Donnerstag und abends.

5. „Junge Leute sind viel aktiver in den sozialen Netzwerken.“

Auch das ist nicht richtig. Zwar sieht es bei den Nutzerzahlen auf den meisten Plattformen nach einem eher niedrigeren Durchschnittsalter der User aus. Wer Social Media-Marketing betreiben möchte, sollte allerdings auch andere Faktoren im Auge behalten. Wichtig ist dann nämlich auch, wer am stärksten interagiert – also zum Beispiel Inhalte mit anderen teilt. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass (allerdings abhängig von der Art des Contents) die Bereitschaft, Inhalte zu teilen, mit zunehmendem Alter steigt. Wer also Reichweite möchte, sollte darauf achten, dass sein Content auch die ältere Generation anspricht.

Sie haben den einen oder anderen Mythos entdeckt, dem auch Sie bislang aufgesessen sind? Das ist kein Problem! Tatsächlich verbreiten sich Missverständnisse und Halbwissen im Internet oft schnell und halten sich auch besonders hartnäckig. Wer sich nicht täglich mit Social Media befasst, kann es oft einfach nicht besser wissen. Dennoch: glauben Sie nicht alles, was Sie lesen – es kann sich oft lohnen, Informationen zu hinterfragen.