Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in Singapur – Christoph von Külmer ist auf “Workation”

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in Singapur

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in Singapur – Christoph von Külmer ist auf “Workation”

Geschäftsführer Christoph von Külmer nimmt sich eine kleine dreimonatige Auszeit und reist mit seiner Frau kurz nach der Hochzeit durch die Welt. Dabei legt er sich aber nicht auf die faule Haut, sondern hält Ausschau nach Inspirationen, neuen digitalen Innovationen und arbeitet nebenbei an neuen Strategien. „Workation“ nennt er seine Reise. Nachdem wir bereits mit ihm über die Planung seiner Workation gesprochen haben, hören wir im zweiten Teil des Interviews mehr die neuesten Trends in Sachen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.

Hallo Christoph, der erste Teil unseres Interviews über Deine Workation hat hohe Wellen geschlagen; es gab viel positive Resonanz im Social Web. Welches Feedback hast Du denn bisher bekommen?

Es freut mich riesig, dass dieses Thema auf so breites Interesse stößt! Ich habe nach dem Artikel viele Nachrichten bekommen, in welchen ich nach Details zu meiner Auszeit gefragt wurde. Wie lange war die Vorbereitung? Nach welchen Kriterien habt Ihr die Reiseziele ausgewählt? Wie kommt man an die Kontakte zu Hochschulen und Startups? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es in Zukunft noch weitere „Workations“ geben wird.

Ihr seid jetzt schon eine Weile unterwegs. Wie geht es Euch denn und wie läuft die Zusammenarbeit mit Deinen Teams?

Wir sind total happy mit dem bisherigen Verlauf, denn es funktioniert alles prächtig. Wir haben schon tolle Menschen kennengelernt, Kängurus und Koalas gesehenen und das Wetter ist auch super. Zum Start waren wir eine Woche in Singapur und hier sind alle Voraussetzungen für ein leichtes Remote-Arbeiten mit SportBrain und digital two gegeben. Überall kostenloses, sicheres WiFi mit guten Geschwindigkeiten und man kann mit Englisch alles regeln. Jetzt in Australien habe ich eine Mobile SIM Card von Vodafone mit guter Flächenabdeckung und Konnektivität. Übrigens habe ich für 50 GB Volumen und 500 Freiminuten nach Deutschland 20 Euro bezahlt. Da können sich unsere Anbieter mal eine Scheibe abschneiden.

Eure Reise begann in Singapur. Warum habt Ihr diese Station ausgesucht?

Ich beobachte Singapur mit großer Faszination, seit ich vor ca. 10 Jahren zum ersten Mal dort war. Die Stadt entwickelt sich in allen Bereichen so rasant weiter und ist nicht nur touristisch ein weltweiter Magnet, sondern auch im digital-wirtschaftlichen Sektor ein absoluter Hotspot. Als Geschäftsführer von einem Chatbot- und einem Digitalmarketing-Unternehmen interessiere ich mich natürlich sehr für Künstliche Intelligenz (KI); hier ist Singapur ebenfalls in vielen Bereichen Vorreiter. Die Stadt war also ein absolutes Muss auf unserer Liste.

Das klingt spannend. Hast Du Fortbildungen oder Konferenzen in Singapur besucht?

Ich habe mir zwei Startups im Chatbot-Umfeld näher angesehen, die besonders bei der Spracheingabe tolle Lösungen entwickelt haben. Hier werden wir mit MAX auch bald große Fortschritte machen. An der renommierten Nanyang Technological University haben wir einen vierstündigen Vortrag zu Künstlicher Intelligenz besucht. Der Vortragssaal war an einem Freitagnachmittag mit über 200 Besuchern gefüllt. Davon waren über 75 Prozent Gasthörer, die sich für die Möglichkeiten von Chatbots und Big Data im Einsatz für ihr Business interessiert haben. Besonders auffällig: es waren auch sehr viele kleine Unternehmen. Der Stellenwert von KI ist hier einfach ein ganz anderer als bei uns und die Technologie ist wirklich schon bei der breiten Masse angekommen. Der Vortrag war übrigens sehr technisch und erforderte viel Grundwissen von den Teilnehmern.

Artificial Intelligence (AI) Singapore heißt ein großes staatliches Projekt, das weltweit schon für viel Aufsehen gesorgt hat. Kannst Du uns das etwas näher erklären?

Diese Initiative beobachte ich seit gut zwei Jahren sehr intensiv. Die Regierung hat unter dem Titel „AI Singapore“ ein nationales Programm für den Aufbau von Wissen und Fähigkeiten rund um Künstliche Intelligenz aufgesetzt. Sie fördern mit rund 100 Millionen Euro Schulen, Universitäten und Unternehmen aller Größen bei der AI-Forschung und der Ausbildung von Mitarbeitern. Dabei gibt es drei große Bereiche: AI for Research (Forschung und Entwicklung), AI for Grand Challenges (Lösen von Alltagsproblemen) und AI for Everyone (Weiterbildung des gesamten Staates).

Weiterbildung des gesamten Staates? Wie wird das denn umgesetzt?

Singapur ist sich absolut sicher, dass in Zukunft jeder Bewohner in Themen rund um die Künstliche Intelligenz geschult sein muss und diese Technologie ein fester Bestandteil des Zusammenlebens wird. Genauso wie das Erlernen verschiedener Sprachen soll KI zukünftig Bestandteil jeder Berufsausbildung sein. Bereits jetzt können die Bürger kostenlose Tageskurse besuchen, um beispielsweise zu lernen, was KI ist und was sie für die Datensicherheit bedeutet. Auch für Schüler, die kurz vor dem Abschluss stehen, werden neben der Informatikausbildung intensive Trainings zum Thema KI abgehalten. Besonders gefragt ist laut AI Singapur übrigens ein neunmonatiges Programm für Lehrlinge in Unternehmen, denn auch Singapur hat ein Experten- und Facharbeiterproblem. Das ganze Programm trägt finanziell der Staat. Hier sollte sich Deutschland auch schnell was überlegen.

Künstliche Intelligenz, Machine Learning und Chatbots: Wie kann man sich das denn in der Praxis in Singapur vorstellen?

Ein Beispiel: Schon nächstes Jahr sollen viele Museen und öffentliche Einrichtungen mit intelligenten Putzrobotern ausgestattet werden. Diese wischen nicht nur, sondern können auch in über 20 Sprachen mit den Besuchern aus aller Welt reden und Fragen beantworten. Zudem können sie Witze und Anekdoten erzählen, da die Spracherkennung schon viel weiter ist, als bei Alexa oder Siri. Also eine spannende Einsatzmöglichkeit von KI und gleichzeitig tolles Marketing für die Stadt! Außerdem soll beispielsweise im Gesundheitsbereich bis 2020 die Terminbuchung bei Ärzten und Krankenhäusern intelligent gesteuert werden, damit die Patienten schneller einen Termin bekommen. Es wird sich auch in naher Zukunft noch viel tun, denn alle großen Digital Player der Welt (Amazon, Facebook, Apple, Alibaba, etc.) haben das Potenzial von Singapur erkannt und Verbindungen zur Wissenschaft und zu Universitäten.

Das klingt wirklich sehr spannend. Wie digital leben denn die Menschen in Singapur?

Digitalen Fortschritt und Künstliche Intelligenz trifft man eigentlich überall in Singapur. Den Alltag kann man tatsächlich nur mit dem Smartphone und den relevanten Apps meistern. Statt Apple Pay beherrscht hier beim Mobile Payment allerdings Alibaba Pay den Markt. Bei der smarten Mobilität wurde Uber von Grab, einem super spannenden Startup aus Singapur, überholt. Im Social Media Bereich steht Instagram, wie auch bei uns, ganz hoch im Kurs. Allerdings ist der Facebook Messenger hier beliebter als WhatsApp. Da wir uns nicht in China befinden, hat WeChat nur einen kleinen Marktanteil. Interessant ist auch, dass auf fast jeder Website Chatbots zur Kundenkommunikation und Terminbuchung eingesetzt werden.

Du bist ja auch auf der Suche nach Innovationen für Deine Unternehmen SportBrain und digital two. Hast Du schon die ersten Ideen ausgeheckt?

Mein Notizbuch ist jedenfalls voll! Ich habe schon sehr viele schöne Inspirationen gesammelt, die ich besonders in unsere Chatbot- und KI-Lösungen integrieren möchte. Für die nächsten Werbekampagnen bei SportBrain habe ich ebenfalls sehr viele kreative und technische Ideen, denn Singapur arbeitet schon viel mit Virtual Reality und KI im Marketing.

 Zum Abschluss: Was ist Euch als Besucher besonders in Erinnerung geblieben?

Es soll jetzt keine Werbung für Singapur werden, denn es gab auch negative Aspekte wie viel Plastikmüll, fehlende Fahrradwege in der City oder Flächenverschwendung. Dennoch hat die Stadt uns einfach fasziniert. Sie hat einen übergeordneten Strategieplan für die Einwohner und als Tourist gibt es einen Wow-Effekt nach dem anderen. Einmalig war aber für uns der Blick über die beleuchtete Skyline vom Dach des berühmten Marina Bay Sand Hotels und danach Sushi Essen mit den Einheimischen an einer der vielen Brücken.

Maria ist für alles zuständig, was mit Texten zu tun hat. Sie kümmert sich als Online-Redakteurin um unseren Blog, den Newsletter und die Website.

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