Clubhouse – was macht die App zum Trend?

Clubhouse – was macht die App zum Trend?

Clubhouse – was macht die App zum Trend?

Wer die letzten Tage auf Social Media unterwegs war, konnte es nicht übersehen: Eine App namens „Clubhouse“ ist überall Thema und voll im Hype. Von Investor Frank Thelen bis Politgröße Christian Lindner – ein umfassender Teil von Personen des öffentlichen Lebens nutzt die App bereits.

Doch was bietet das neue soziale Netzwerk aus San Francisco an Möglichkeiten? Und welche Features liegen dem Trend zugrunde?

Wer steckt hinter Clubhouse?

Hinter der App steckt das Unternehmen Alpha Exploration Co. der beiden Start-up Gründer Rohan Seth und Paul Davison.

„Exklusivität“, oder zumindest der Anschein davon, scheint zunächst ein Keyword in der Strategie der Gründer zu sein. Ob bewusst oder unbewusst, die Entwickler wenden hierbei die Methode der künstlichen Verknappung an. Der Zugang zum Netzwerk ist nämlich nur unter zwei Voraussetzungen erreichbar: Die Nutzung der App wird zum einen erst durch eine Einladung einer bereits registrierten Person ermöglicht, zum anderen ist die App ausschließlich für iOS verfügbar und schließt somit jegliche Android-Nutzer aus.

Alle, die eine Einladung bekommen haben, können zunächst einer weiteren Person durch eine Einladung den Zugang ermöglichen. Ist man besonders aktiv, kann man sich weitere Einladungen freischalten. Hat man den Zugang erhalten und sich registriert, stehen einem sämtliche Clubhouse-Inhalte zur Verfügung.

Funktionen und Inhalte von Clubhouse

Doch welche Inhalte bietet die App überhaupt?

Wie bei Social Media-Plattformen üblich, entsteht der Content erst durch die Nutzer der App. Bei Clubhouse ist dies audiobasierter Content. Video und Bild spielen (bis auf ein Profilbild) keine Rolle. In sogenannten Räumen kann dann, wie etwa bei einem Podcast, über diverse Themen diskutiert werden. Es gibt auch Hosts, welche die Räume öffnen und moderieren. Diese bestimmen auch darüber, wer gerade das Wort hat. Insgesamt handelt es sich also um eine Art von online Live-Telefonkonferenzen, bei welchen jeder zuhören oder mitreden kann.

Der inhaltliche Mehrwert der Talks schwankt nach unseren Beobachtungen allerdings extrem. In den letzten Tagen war von Investment-Tipps by Frank Thelen bis zu fragwürdigen Ideologien alles dabei. Als Zuhörer kann man die Gespräche entweder still verfolgen oder sich selbst zu Wort melden, wenn dies der Host erlaubt.

Wie bekomme ich eine Einladung zum Clubhouse?

Die App steht grundsätzlich jedem Apple-User zur Verfügung. Nach der Installation an eine Einladung zu kommen gestaltet sich dann schon komplizierter. Wenn man nicht gerade gewillt ist, 50 Euro auf Ebay für ein Invite zu bieten, muss man wohl auf seine Einladung warten.

Es existieren aber auch Umwege, wie zum Beispiel Telegram-Gruppen, welche den Zweck haben, immer die jeweils nächste Person auf der Gruppenliste einzuladen. Außerdem verbreiten sich in der Start-up und Marketing-Szene auf LinkedIn Einladungsketten, bei welchen ähnlich vorgegangen wird.

Für die Zukunft gilt aber: Die Marketingmethode der künstlichen Verknappung, welche durch das Einladungssystem geschaffen wurde, hat offensichtlich gut funktioniert und das Ziel erreicht, Bekanntheit zu erlangen. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Entwickler die App bald für alle öffnen, um auf die Massen abzuzielen. Ob die Anwendung dann ihren ursprünglichen Reiz verliert, wird sich noch zeigen.

Für wen ist Clubhouse sinnvoll?

Grundsätzlich ist Clubhouse eine interessante Plattform, mit einer schlussendlich simplen, aber doch innovativen Grundidee. Da die Themen in den jeweiligen Talks ein breites Spektrum bedienen, hat die Plattform das Potenzial, sowohl für Privatpersonen und klassisches Entertainment, als auch im Business-Umfeld eine wichtige Rolle zu spielen. Außerdem haben bereits einige Politiker den Raum für sich genutzt, neben Dorothee Bär (CDU) hat auch Christian Lindner (FDP) an einem öffentlichen Talk teilgenommen.

Start-up-Szene Mitträger des Hypes

Die App, welche schon seit März 2020 auf dem Markt ist, war zunächst bei amerikanischen Tech-Unternehmern beliebt. Der Hype in den vergangenen Tagen im deutschsprachigen Raum ist womöglich unter anderem auf die Start-up-Szene in Deutschland zurückzuführen, in welcher die App zunächst große Bekanntheit erlangte. Wie bereits erwähnt trugen dazu bestimmt auch „Investoren Talks“ von Frank Thelen und anderen bei. Viele Start-ups sahen vermutlich die Möglichkeit, in einem der Talks die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, da sich bei den Diskussionsrunden jeder einklinken kann.

Kritik an Clubhouse

Das soziale Netzwerk stößt auch auf eine Menge Kritik. Der Datenschutz soll vergleichsweise mäßig abschneiden. Neben Mitschnitten der Audioinhalte wird man mehr oder weniger genötigt, sein Adressbuch freizugeben, um eine weitere Person einladen zu können.

„Datenschutz scheint bei Clubhouse ein Fremdwort zu sein. Die App verlangt Zugriff auf das komplette Adressbuch und Gespräche werden anscheinend mitgeschnitten“, so der Deutsche Journalistenverband.

Die Daten aller Kontakte der jeweiligen User werden so ohne Einwilligung dieser an den Entwickler weitergegeben. Rechtlich ist dies, wie damals bei WhatsApp, eine Grauzone. Man müsste rein theoretisch jeden einzelnen seiner Smartphone-Kontakte fragen, ob es in Ordnung ist, als Kontaktdatei auf einem Firmenserver in den USA abgespeichert zu werden. Dieses Abgreifen der Kontakte hat allerdings, anders als bei WhatsApp, keinen so offensichtlichen Nutzen und ist daher fragwürdig.

Wie die meisten bedeutenden Social Media Plattformen hat Clubhouse außerdem Probleme mit extremistischen Inhalten. Einen Filter, welcher problematischen Content automatisch sperrt, gibt es bisher nicht, was Freiraum für Anhänger diverser verfassungsfeindlicher Ideologien zulässt.

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